Christoph Daum und die Latschen der Indianer

Ein großer Fußballtrainer ist Christoph Daum – da sind sich Fußball-Experten unisono einig. Die 92er Meisterschaft mit dem VfB war einfach nur sensationell (das „Magische Dreieck“ mit Bobic, Balakov und Elber stellt bis heute Fußballfeinkost zum Zungeschnalzen dar). Die gewonnenen weiteren Meisterschaften in der Türkei (mit Beşiktaş Istanbul und Fenerbahçe Istanbul) und in Österreich (mit Austria Wien) und die Vizemeisterschaften in der Bundesliga (mit dem 1. FC Köln und Vizekusen) belegen sein Ausnahmekönnen als Trainer ebenso. Polarisieren tut Christoph Daum aber auch wie kaum ein anderer Trainer, besonders wenn sein Intimfeind Uli Hoeneß mit im Spiel ist (bis heute ist das unereichtes fußballpolitisches Kabarett vom Allerfeinsten). Wie viel ungewollter Humor in dem ungewöhnlichen Menschen Christoph Daum steckt, belegt aber auch seine hier dargelegte indanisch-philosophische Spruch-Weisheit.

Der transkribierte O-Ton ist einfach zum Wegschießen: „Ich möchte eigentlich ein sehr schönes Indianerzitat hier verwenden: ‚Man sollte erst über die Maßnahmen eines Menschen urteilen, wenn man einen Tag seine Mokassins getragen hat.’“ „Howgh – indianisch für ‚ich habe gesprochen’“, müsste der Fußballtrainer-Häuptling eigentlich seine angelesene Weisheit über die Gepflogenheiten der Indianer enden lassen.

Bekanntheit erlangte aber Christoph Daum nicht nur durch seine fußballerischen Erfolge, sondern auch durch seine ungewöhnlichen Trainigsmethoden (wie beispielsweise das Laufen über Glasscherben! bei seinen Spielern seinerzeit als Trainer bei Bayer 04 Leverkusen, um zu demonstrieren, was der eigene, sprich hier fußballerische Wille auch alles für unmöglich Scheinende möglich machen kann) – und vor allem durch die sogenannte Koks-Affäre.

Christoph Daum war 2000 bereits designierter Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, als Uli Hoeneß ihm hierfür die Vorbildfunktion absprach – wegen des angeblichen Konsums des weißen Schnupftabaks. Christoph Daum wies jedoch jegliche Beschuldigungen zurück und mimte das vollkommene Unschuldslamm. Das Ansehen des DFB stand aber auf dem Spiel. Werbung zu machen für „Keine macht den Drogen“ und selbst einen designierten Chefcoach zu haben, der selbst kokst, das ging gar nicht. Der öffentliche Druck nahm daher immer mehr zu – bis sich Christoph Daum schließlich bereit erklärte, freiwillig eine Haarprobe auf Kokain-Konsum hin testen zu lassen. Der Ausgang ist bekannt: In den Kopfhaaren konnte man zwar keinen Konsum des weißen Schnupftabaks nachweisen, aber in der Achsel- und Schambehaarung schon (da es dort wesentlich langsamer als bei den Kopfhaaren abgebaut wird)! Der Indianer-Versteher Christoph Daum hatte offenbar gänzlich vergessen, welche Konsequenzen hierzulande der Konsum des weißen Schnupftabaks auf ihn als vermeintlich weisen Mann nach sich ziehen könnte. Schneller als ein Pfeil fliegt, hatte er nämlich seinen Job als Trainer der deutschen Nationalmannschaft wieder los und sein Ansehen beschmutzt.

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